Das Internet im (Staats)Archiv

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Allgemein, Archiv 21, Digitalisierung

Webseite des Staatsarchivs 2009. Staatsarchiv Basel-Stadt, WA 104 1/1

Es war einmal … als die kantonalen Behörden sich noch des bedruckten Papiers bedienten, um die Öffentlichkeit zu informieren. Immer mehr Information existiert heute nur noch als Online-/Webseiten-Inhalt. Und wo lässt sich übermorgen nachlesen, was eine Behörde vorgestern auf ihrer Webseite publiziert hat? Im Staatsarchiv. Denn auch das gehört zum gesetzlichen Auftrag des Staatsarchivs: Online-Information nachhaltig zu sichern. Nur so ist staatliches Selbstverständnis und Handeln in Zukunft nachvollziehbar, überprüfbar, verstehbar.

Logisch – aber nicht einfach. Das Staatsarchiv Basel-Stadt ist eines der ersten Schweizer Archive, die solche Webseiten öffentlich einsehbar machen. Ab sofort sind sie im Digitalen Lesesaal des Staatsarchivs einsehbar. Was genau wird denn archiviert und wie lässt sich dieses spezielle Archivgut nutzen?

Lernprozess

Zuerst ein kurzer Blick zurück in die Geschichte. Die Web-Archivierung durch das Staatsarchiv hat nämlich schon vor 20 Jahren begonnen. Mithilfe einer Software des Deutschen Bundestags probierte das Staatsarchiv damals aus, ob sich die Webseiten verschiedener Dienststellen des Kantons Basel-Stadt archivieren liessen. Die Versuche zeigten: Die Sicherungen funktionierten in den ersten Jahren prima, weite Teile der kantonalen Webauftritte vor der Verwaltungsreorganisation 2009 konnten gesichert werden. In den Folgejahren standen Ressourcen zur Verfügung, um noch bestehende Aufgaben anzugehen. Es brauchte eine einfachere Infrastruktur; es brauchte eine gezielte Auswahl der Webseiten respektive Bewertung, wie der archivische Fachbegriff dafür heisst. 2014 startete eine umfassende Sicherung der ausgewählten Webseiten. 2022 erfolgte eine erneute Anpassung der Strategie. Der Aufwand wurde reduziert, die Sicherung fand nur noch einmal pro Jahr statt.

Webseiten zu archivieren, ist eine Herausforderung in vielfacher Hinsicht. Lange gab es grosse Unterschiede zwischen den Webseiten einzelner Behörden: unterschiedliche Programme, unterschiedlicher Aufbau etc. Zudem verändern sich die technologischen Grundlagen der Archvierung rasch (Speicherung, Viewer etc.). Die Archivmitarbeitenden müssen sich entsprechend laufend weiterbilden.

Auswahl

Alle Webseiten kantonaler Dienststellen zu sichern, dafür reichen die Ressourcen des Staatsarchivs nicht aus. Wie bei Papierunterlagen gilt es, eine Auswahl zu treffen. Die aktuelle Sicherung umfasst Webseiten von ca. 150 zentralen Aktenbildnern: des Regierungsrates, des Grossen Rates, der Gerichte, von Dienststellen der Kantonsverwaltung, aber auch Schulen, Spitälern und öffentlich-rechtlichen Körperschaften. Sie werden in zyklischen Abständen von ein bis zwei Jahren gesichert. Nicht erfasst werden Webseiten von Privaten, Firmen oder anderen Seiten mit Basel-Bezug.

Inhalt

Die Speicherung einer Webseite umfasst grundsätzlich alle darin enthaltenen Elemente: Text, Bilder, PDF-Dateien, Ton- und Filmdateien. Grosse Dateien können allerdings nicht immer übernommen werden. Diese Elemente werden in einer sogenannten WARC-Datei erfasst. Sie gilt als Standard für Bibliotheken, Archive und Webarchivierungs-Organisationen seit 2008.

Wie bei einer Archivierung analoger Unterlagen wird bei der Archivierung von Webseiten zudem der Prozess selbst dokumentiert. Protokolliert werden die Abläufe und allfällige Fehler sowie die Konfigurationsdateien.

Benutzung

Im Unterschied zu anderen Institutionen stellt das Staatsarchiv die von ihm archivierten Webseiten öffentlich online. Sie können im Digitalen Lesesaal (https://dls.staatsarchiv.bs.ch) ohne Einschränkung benutzt werden: zur direkten Ansicht/Navigation oder zum Herunterladen. Der Webauftritt des Staatsarchivs selbst ist zum Beispiel erfasst, unter der Signatur WA 104 (https://dls.staatsarchiv.bs.ch/records/1134445). Es kann eine der verschiedenen Sicherungen zwischen 2009 und 2023 ausgewählt werden. Im Viewer ermöglicht dann die WARC-Datei das Navigieren in der damaligen Webseite.

Sichtbar werden dabei auch die Grenzen einer Webarchivierung. Veraltete Links lassen sich nicht mehr bedienen; die Darstellung kann verzerrt wirken; eine zu komplexe Navigation funktioniert nicht mehr etc. Indirekt widerspiegelt Webarchivierung so auch ein Stück Technologiegeschichte.

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