Vom fragilen Heft zur Online-Datenbank

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Digitale Edition, Digitalisierung, Projekt Sicherung & Nutzbarmachung

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Digital Humanities sind im Kommen. Ihr Nutzen ist unumstritten. Umso wichtiger ist es, zu erkennen, welchen Aufwand es vorausetzt, damit historische Archivalien digital genutzt werden können. Wie kann man ein umfangreiches und fragiles Konvolut von handgeschriebenen Akten in digital nutzbare Daten überführen? Genau darum ging es im Projekt digitale Edition der Basler Jahrrechnungen 1535-1610, welches von der Universität Basel und dem Staatsarchiv Basel-Stadt in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Informationsmodellierung (ZIM) in Graz durchgeführt wurde.

Noch vor drei Jahren verwies der Online-Archivkaatalog des Staatsarchivs mit einem einzigen Eintrag auf 12 Laufmeter Finanzakten in der Compactus-Anlage. Sie überliefern den baselstädtischen Finanzhaushalt von 1444 bis 1700 beinahe lückenlos. Obwohl dieses Korpus schon mehrfach als einzigartige Überlieferung gepriesen wurde, befanden sich die rund 1300 Hefte in inzwischen abgenutzten alten Mappen.

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Neu verpackte Finanzakten. Die neuen Behältnisse schützen die Akten vor mechanischen Schäden, endogenem Papierzerfall, Schmutz, Licht und Feuchtigkeit und sogar vor den Folgen eines katastrophalen Ereignisses, durch Brand oder Einstutz des Archivgebäudes.

Nacherschliessung notwendig

Um die Finanzakten einer Digitalisierung zuzuführen, mussten sie in einem ersten Schritt gesäubert und auf Stufe jeder einzelnen Jahresrechnung nacherschlossen werden. Zum Glück konnten diese Arbeiten mit dem Verpackungsprojekt koordiniert werden, so dass die Akten in neue Mappen gelegt und in fachgerechten Archivschachteln verpackt werden konnten.

Eine digitale Nutzung hat höhere Ansprüche an die Erschliessung. Wo eine Verzeichnung auf Stufe der Jahrgänge für die analoge Nutzung im Lesesaal durchaus gereicht hätte, ist sie für die digitale Konsultation ungeeignet. Dem Digitalisat ist es viel schwerer anzusehen, dass sich ein solcher Jahrgang aus vier Heften Quartalsrechnungen plus einer zusammenfassenden Jahresrechnung zusammensetzt. Die meisten, aber nicht alle Jahrgänge, verfügen noch über ein so genanntes Kerbbüchlein wo jeweils die Namen und Ämter aller Siebnerherren genannt wurden. Damit die Gliederung dieser Akten deutlich sichtbar gemacht werden kann, entschieden wir uns für eine Erschliessung auf Stufe der einzelnen Hefte. Im archivischen Umfeld verlangt die Digitalisierung sehr oft nach einer Nacherschliessung der Akten. Dies nicht zuletzt aus Gründen der Benutzbarkeit und der Langlebigkeit der digitalen Adressierung, die sich über die Zeit nicht ändern darf. Solchen Überlegungen schenken wir grosse Sorgfalt, schliesslich ist das Verstehen des Überlieferungskontexts eine zentrale Grundlage der Quellenkritik.

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Heikle Originale

Der physische Erhaltungszustand der Akten ist sehr unterschiedlich. Ein Grossteil der Hefte ist hervorragend erhalten, andere weisen aber deutliche Spuren eines Wasserschadens auf. Davon sind einige Hefte durch Schimmelfrass oder mechanische Einwirkung beschädigt, so dass die Digitalisierung nur unter höchster Schonung und enger konservatorischer Begleitung stattfinden konnte. Die am schlimmsten befallenen Jahrgänge digitalisierten wir zunächst nur ab Mikrofilm. Da die Lesbarkeit der digitalisierten Mikrofilme schliesslich doch eine Einbusse der Lesbarkeit der Schrift mit sich brachte, entschieden wir uns gegen das Ende des Projekts, auch die fragilsten Hefte einer schonungsvollen Digitalisierung zu unterziehen – nicht zuletzt aus konservatorischen Gründen.

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Aus Erfahrung wissen wir, dass die Digitalisierung von Beständen zu einer erhöhten Nutzung führt. Damit die Originale nicht immer wieder zur Klärung von Unklarheiten herbeigezogen werden müssen, lohnt es sich die Digitalisierung von vornherein in erstklassiger Qualität durchzuführen. Neben der Nutzbarmachung sind die Schonung und Sicherung der Akten die wichtigsten Ziele der Digitalisierung.

Qualitätskontrolle

Wenn die Digitalisate die Nutzung der Originale möglichst ersetzen sollen, stellt dies erhöhte Ansprüche an die Digitalisierung. Die digitalen Surrogate müssen die Originale in einer möglichst umfassenden und direkten Art und Weise repräsentieren. Die Scans sollen also die Information und Materialität der Akte in möglichst unverfälscher und linearer Form wiedergeben. Da die Digitalisierung auch vom technischen Fortschritt der Geräte abhängt, wird man nie eine absolute Repräsentationsform erlangen können. Daher verlagert sich das Ziel vom perfekten Digitalisat hin zu einem Digitalisat, das seine Repräsentationsweise möglichst nachvollziehbar und transparent macht. Dazu fügten wir am Schluss jedes Hefts eine Seite mit einer Farb- und Masstabsreferenz hinzu, einem sogenannten Farbtarget. Durch diese Referenz können die Pixelwerte in einen direkten Bezug zum Originaldokument gesetzt werden. So dokumentieren die Digitalisate auch den physischen Zustand der Akten auf präzise Weise. Ebensosehr kommt es auf die Integrität der Information und des Inhalt der Akte an. Daher prüften wir jedes Heft im Anschluss an den Scanprozess, mit einer rigorosen Seitenkontrolle, ob auch jede Seite digitalisiert worden ist und ob die Akte in der richtigen Reihenfolge wiedergegeben wird.